Leben

Kannst du dir selbst vergeben ?

Wir lieben.

Wir streiten.

Wir vergeben.

In Beziehungen zu anderen Menschen kommen wir immer wieder an den Punkt, an dem es darum geht, dem anderen zu verzeihen.

Sei es, dass unser Freund mal wieder zu spät kommt, eine Freundin ein Versprechen nicht einhält oder ein Arbeitskollege seinen Ärger an dir auslässt.

All das sind Situationen, in denen wir selbst – im Kontext der Situation –  beginnen zu relativieren.

„Naja … mein Freund ist halt einfach so, er meint es nicht persönlich.“

„Meine Freundin hat es sicher einfach vergessen.“

„Wahrscheinlich ist mein Kollege heute einfach mit dem falschen Bein aufgestanden.“

Wir ändern unseren Blickwinkel auf die Situation, in dem wir sie humorvoll oder mit etwas mehr Abstand betrachten.

So schaffen wir es,  unserem Gegenüber nicht sauer zu sein oder milde mit Imperfektion im Miteinander umzugehen.

Doch was, wenn es darum geht, uns selbst zu verzeihen?

Das fällt schwerer.

Aber warum ?

Weil uns hier besonders klar vor Augen geführt wird, dass wir zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Situation etwas nicht so leisten konnten, wie wir es von uns selbst erwartet haben.

Hier gehen wir besonders hart mit uns ins Gericht:

„Warum hast du nicht angerufen ? Dann wäre xy nicht passiert.“

„Ich hätte mich besser darum kümmern sollen. Jetzt hab ich den Salat.“

„Hätte ich doch bloß…!“

Wir gehen davon aus, dass es jetzt nur fair ist, uns die Gesamtschuld aufzuladen.

Nach dem Motto:

„Das hab ich jetzt davon!“

„Sie zu, wie du kommst!“

Dann füttern wir unsere Selbstzweifel und verlieren uns darin, dass wir es eben vermasselt haben.

Das Selbstmitleid schlägt zu und wir distanzieren uns von uns selbst.

In dessen Folge beobachten wir uns genauer.

Wir versuchen alles, damit uns das nicht mehr passiert.

Nie mehr denselben Fehler machen.

Cool bleiben.

Noch mehr anstrengen.

„Kann ja nicht so schwer sein…!“

Das bewirkt allerdings genau das Gegenteil.

Wir verleugnen uns, weil wir uns nicht verzeihen können. Dann verstecken wir das lieber hinter einer möglichst authentischen Fassade.

Perfektionismus bis zur Erschöpfung.

Nach außen hin ein Bild erschaffen, was uns innerlich aber zerreißt.

Wir errichten eine Mauer um uns herum, die keiner einreißen kann.

Wie schön wäre es, wenn wir uns selbst vergeben könnten … ?

Zuerst einmal musst du dir ein versöhnliches Bild der Situation aufrufen und dir deine eigene Reaktion bewusst machen.

Warum wertest du dir gegenüber so stark ?

Was lässt dich so hart mit dir selbst sein ?

Hast du selbst diese Güte nicht verdient, mit denen du Menschen begegnest, denen du verzeihst ?

Du bist es nicht anders gewohnt.

Du hast die Verhaltensweise verinnerlicht.

Wir alle kennen die Macht der Gewohnheit.

Doch:

Wer unfähig ist zu vergeben, der ist auch unfähig zu lieben.

Martin Luther King

Wenn du nicht bereit bist, dir eigene Schwächen zuzugestehen, wirst du auch nicht ehrlich in der Lage sein, anderen Menschen liebevoll zu begegnen.

Dann wirst du auch ihr Verhalten tadeln, ihre Fehler analysieren, werten.

So wie du es von dir kennst, wie du es dir gedanklich erschaffst.

Daher vergib dir deine Fehler.

Vergib dir den falschen Stolz, den du hattest, als du dachtest, das Gesicht wahren zu müssen.

Verzeih dir selbst.

Verzeihe dir, dass du oft cool wirken musstest, um dir heute einzugestehen, wie schlecht es dir eigentlich damit geht.

Befreie dich von deinen Zweifeln.

Befreie dich von dem destruktiven Muster, dass du es immer besser machen musst.

Liebe authentisch.

Streite ehrlich.

Und dann vergib dir von Herzen.

Dann hast du Freiheit zurückgewonnen.

Und dich selbst.

 

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  • Antworten Sebastian Runow 11. Oktober 2017 um 9:50

    Interessant diese Perspektive. Für mich ist es gänzlich anders. Ich kenne es nicht, mich zu verurteilen. Kritik von Außen ist das was mich belastet…das Nicht-Verzeihen der Anderen. Dabei geht in mir viel mehr kaputt. Zu wissen, dass ich eh Fehler mache ist meine Einstellung zu den Dingen. Mein Perfektionismus ist Imperfektionismus, auch wenn es nur mir hilft. Aber so bleibt meine natürliche Grenze der Belastung gewahrt…ein Mittel zur Selbstkontrolle. Schöner Artikel … regt an und lässt den Blick auf sich selbst nicht nur zu, sondern fordert Ihn.

    • Antworten Jane 14. Oktober 2017 um 9:31

      Hallo Sebastian, ich finde deine Perspektive toll und danke für dein Feedback.

  • Antworten Außer Kontrolle - The inner me 15. Februar 2018 um 20:33

    […] mal vom Leben verlassen. Uns und unsere Ziele haben wir zu oft in Frage gestellt. Andere als die Schuldigen betrachtet. Nur noch uns selbst vertraut. Wir versuchten vertraute Grenzenlosigkeit durch […]

  • Antworten Sei nicht so hart zu dir selbst - The inner me 6. April 2018 um 9:36

    […] Urteil fällt meist hart aus, da wir bei uns persönlich gnadenloser sind, als bei unseren […]

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