Liebe

Wie verliebt bist du eigentlich gerade … ?

Liebe

Foto: Jane

Neulich fuhr ich an einem heißen Sommernachmittag nach der Arbeit mit dem Auto heim

und hatte Gedanken über die Liebe im Kopf.

Ich fuhr über den grauen, vor Hitze flirrenden Asphalt und schaute mich um. Mein Blick streifte dabei Menschen, die mit dem Handy an der Bushaltestelle standen und wahrscheinlich – so hoffte ich – Ihrem/Ihrer Liebsten eine „Ich vermisse dich“ – Nachricht schickten.

Ich sah lachende Menschen im Cafe, die Eis aßen und Kaffee tranken, ein Hipster-Pärchen, welches verliebt und händchenhaltend den Bürgersteig überquerte.  Ich spürte ihre Schmetterlinge im Bauch. Als ich an eine rote Ampel rollte, sah ich eine kleine runzelige Omi, die mit Stock und Sonnenhut auf der Parkbank saß und liebevoll mit den Vögelchen um sich herum schwatzte.

Eine Familie mit einem Kind auf dem Laufrad vorn und einem Baby in der Trage lief an ihr vorbei. Die jungen Eltern lächelten sich an … ich fühlte Wärme in meiner Brust bei diesem Anblick. Alte Freunde, die mit Bierchen und Decke auf dem Weg in den nächsten Park waren (so stellte ich es mir vor…) und kleine Jungs, die voller Energie mit dem Fussball auf dem Sportplatz einer kleiner Schule kickten. Jubelgeschrei – ein Tor ist gefallen.

Ich passierte Schulmädchen, die mit ihren Handys wohl die neuesten Fashiontipps austauschten und eine Punkerin, die mit 3 Hunden unterwegs war, welche alle total treu drein blickten und hinter ihr hertrotteten.

All diese Menschen sind voller Liebe.

Verliebt in den anderen, in den Moment oder auch in den Sommertag. Voller Liebe für Tiere oder den geliebten Sport. Sie erleben ein liebevolles Miteinander, teilen liebende Augenblicke.

In diesem Moment fragte ich mich:

„Wie verliebt bin ich eigentlich gerade …?“

Ich hatte diese Frage immer und immer wieder in meinen Gedanken. Ich fragte mich an einem Tag, was mich verliebt sein lässt, was mich mit Liebe erfüllt. Am nächsten Tag welche Dinge ich tue, damit ich Liebe oder Passion fühle … Wann ist sie am stärksten, wann lässt sie nach. Was liebe ich ? Zu wem bin ich liebevoll und bin ich auch gerade liebevoll zu mir selbst …?

Heute habe ich meine Omi besucht und habe sie gefragt, wie sich ihre Verliebtheit fast 50 Jahre bis zum Tod unseres geliebten Opas angefühlt hat.

Sie antwortete impulsartig mit nur einem Wort: Toleranz. Ich fragte sie, wie sie in schwierigen Zeiten verliebt sein konnte. Dann, wenn das Leben zuschlägt, wenn es bergab geht, wenn Stress und Alltag die Liebe zum Leben, zum Partner, zu den Kindern annagt.

Sie sprach zu mir voller Wärme, dass sie und Opa nach der Verliebtheit ein tiefes, vertrautes Band gewebt haben, welches mit den Jahren nach dem Krieg mit wenig Geld und viel Arbeit in innige Kameradschaft übergegangen ist. Das sie sehr viel entbehren mussten und dennoch  zwei Kinder und Arbeit unter einen Hut brachten. Das auch sie erschöpft waren, gestresst, geplagt von Sorgen und Ängsten. Und das Liebe harte Arbeit ist, denn Verlieben geht so schnell und auch so schnell vorbei, wenn das Leben sich wandelt.

Ihr und mir standen die Tränen in den Augen. Ich stellte mir diese große Liebe vor, den bedingunslosen Willen, an sich zu arbeiten, um für die gemeinsame Liebe einzustehen. Für den Menschen zu kämpfen, die Leidenschaft für eine Sache, die Liebe zu einem bestimmten Hobby, die ewige Liebe zu seinen Kindern auch im Alltag ganz tief in sich zu tragen.Sie hat damit mein Herz berührt. Weil sie mich spüren ließ,  dass es unabhängig von politischer Lage oder persönlicher Not möglich ist, Liebe dauerhaft im Herzen zu tragen. Sich immer wieder zu verlieben. Sich selbst und andere in einem neuen Blickwinkel sehen zu wollen. Bewusst miteinander umzugehen. Achtsam und tolerant  gemeinsame Wege zu gehen.

Danach habe ich mich noch einmal gefragt, wie verliebt ich gerade bin. Ich bin glücklich verliebt in einen Mann, ich bin voller Liebe für mein Kind und meinen Hund, ich erlebe viele liebevolle Momente mit meinen Freunden.

Ich bin gerade ziemlich verliebt in mein Leben.

Deshalb frage ich dich … wie verliebt bist du eigentlich gerade ?

 

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  • Antworten Sebastian Runow 25. September 2017 um 13:12

    Mir fehlt ein „LIKE“ oder in diesem Sinne ein „LOVE“ für diesen Beitrag.

    Um auf Deine Frage einzugehen … ich bin sehr verliebt in mein Leben und in die Wandlungen die sich seit geraumer Zeit ergeben – Wenn auch ich möchte, dass aus eben genannter Verliebtheit ein Band wird – Flexibel und Fest zugleich.
    Deine Oma hat Recht 🙂

    • Antworten Jane 26. September 2017 um 12:18

      Vielen Dank für deine Worte, Sebastian – ich habe einen „Mag ich“ – Button unter den Posts eingerichtet – Danke für die Anregung.
      Und ja, Omas haben immer Recht 😉 Du hast es toll interpretiert mit dem flexiblen, aber festen Band.

  • Antworten Tobi 15. November 2017 um 20:03

    Sehr schön geschrieben! Ich habe die Hoffnung das es noch Menschen wie deine Großeltern gibt, die an ihrer Beziehung arbeiten und sie nicht aufgeben wenn es gerade mal nicht so gut läuft (durch welche Lebensumstände auch immer).
    Auch wenn ich gerade nicht so verliebt bin in mein Leben (es könnte besser laufen), so liebe ich trotzdem meine Freundin, unsere Tiere und die kleinen Dinge im Leben.

    Schönen Abend euch noch 😊

    • Antworten Jane 16. November 2017 um 9:51

      Lieber Tobi, vielen Dank für diese ehrlichen Worte und deine Gedanken dazu. Wahrscheinlich könnte es für uns alle immer besser laufen. Aber vielleicht kommt es darauf ja gar nicht an, sondern auf das Miteinander und das Zusammenstehen in schwierigeren Zeiten. Ich wünsche Dir und deiner Freundin und auch euren Tieren Alles Gute und vor allem viel Liebe füreinander. Hab einen tollen Tag. Liebste Grüße, Jane

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